Radsport | 09. April 2009
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Mit viel Elan in die Pedale
Saisonstart für Athleten aus dem Mikrokomos Jungfrau
Der Frühling fand auch hierzulande endlich Einzug und mit ihm die nationale – und internationale – Radsaison. Voller Ambitionen stehen die Radsportler aus dem Mikrokosmos Jungfrau in den Startlöchern. Für die Downhill-Biker Nick und Marcel Beer steht bereits am Wochenende das erste Weltcuprennen auf dem Programm. Und auch Daniel Eymann, Kilian Moser und Lucien Kammer treten schon wieder voll in die Pedalen.
Nick und Marcel Beer
Die beiden Mattner Nick und Marcel Beer zählen im Downhill-Sport nicht nur auf nationaler Ebene zur Elite, sondern mischen auch auf internationalem Parkett in den vorderen Rängen mit. Erstmals setzten die beiden im letzten Jahr voll auf die Karte Sport. «Man kann so viel mehr Zeit investieren und sich besser auf den Sport konzentrieren», meint der 21-jährige Nick, für den die vergangene Saison den bisherigen Höhepunkt seiner noch jungen Karriere darstellt. Er verteidigte erfolgreich den Elite-Schweizermeistertitel und bestritt insgesamt vier Rennen des iXS European Downhill Cup, welche er allesamt für sich entschied. Auch in der finalen Europacup-Gesamtwertung wurde Nick Beer zum Sieger erkoren. Auf der Schlussrangliste des Weltcups figurierte er als bester Schweizer nahe an der Spitze auf dem 16. Rang und als Highlight der Saison holte er an den Europameisterschaften im italienischen Caspoggio Bronze. Einziger Wermutstropfen: Die Weltmeisterschaften, bei welchen er mit Handgelenkschmerzen an den Start ging und mit einer entsprechend verhaltenen Leistung auf den 39. Rang fuhr.
Gemischte Gefühle
Im Gegensatz zu Nick war die WM im italienischen Val di Sole für seinen zwei Jahre älteren Bruder Marcel der einzige Lichtblick in einer etwas unglücklichen Saison. Er litt beinahe durchgehend unter Handgelenkschmerzen, musste sich in der Folge gar einer Operation unterziehen. Die ganz grossen Erfolge blieben deswegen aus. Trotzdem bewies auch er, wie viel Potenzial in ihm steckt. «Das einzige Mal, als ich beschwerdefrei fahren konnte, war an der WM.» Prompt schloss er diese als bester Schweizer auf dem 16. Rang ab. In der Gesamtwertung der iXS European Downhill Tour wurde er Zweiter – hinter Bruder Nick.
Nick Beer hat mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht und konnte einen Profivertrag bei Scott ergattern.
Verletzungspech
Inzwischen hat die Verletzungshexe Marcel ein weiteres Mal heimgesucht: Ende Januar zog er sich bei einem Snowboardunfall einen Milz- und Nierenriss zu. «Es passierte nicht einmal bei einem Sprung und ich war auch nicht sonderlich schnell unterwegs». Die Verletzung war so schlimm, dass er zwei Wochen im Spital verbrachte – davon eine auf der Intensivstation. Auch weil ihm anschliessend acht Wochen Bettruhe verordnet wurden, machte ihm dieser Zwischenfall einen gehörigen Strich durch die Rechnung: «Ich wollte eigentlich arbeiten gehen, um mir die ersten Rennen der Saison finanzieren zu können.» Den Job bei Telebärn trat er dann ein wenig später als geplant an. Inzwischen kann Marcel wieder trainieren, doch mit dem fehlenden Einkommen fiel auch der geplante Trip zum ersten Weltcuprennen in Südafrika ins Wasser. «Anstelle dessen gehe ich zwei Wochen zum Training in die Toskana.»
Profivertrag für Nick
Wegen den durchzogenen Resultaten der letzten Saison konnte Marcel keinen Vertrag bei einem Profiteam abschliessen. Ausserdem stellt iXS, wo die Beer-Brüder noch bis vor Kurzem engagiert waren, in der kommenden Saison kein Downhill-Team mehr. So fand der ältere Beer nun bei GT Unterschlupf, welche ihm jedoch ausschliesslich mit Materialkosten, Spesen und Startgeldern unter die Arme greifen. Auf «personellen Support» in Form eines Team-Zeltes und entsprechenden Fachleuten an den Rennorten muss er künftig verzichten. Nick hingegen ist von derartigen Problemen nun befreit. Aufgrund seiner überzeugenden Leistungen konnte er bereits im Verlauf der letzten Saison Verhandlungen mit professionellen Ausrüstern führen und schlussendlich einen Zweijahresvertrag bei Scott unterschreiben. «Da fahren vielleicht nicht die Allerbesten, aber einige Top-10-Fahrer sind schon dabei.» Erstmals in seiner Karriere kann Nick nun vom Sport leben.
Die Saison hat noch nicht einmal begonnen und schon wurde Marcel Beer erneut durch Verletzungen zurückgeworfen.
Top 10 als Ziel
Konkrete Ziele für die kommende Saison haben die Sprösslinge von Erika und Housi Beer, die in Matten eine Bikeschule führen, keine. «Ich hab mir das Ganze natürlich anders vorgestellt», erklärt Marcel und spricht wehmütig sein neuerliches Verletzungspech an. Da er auch weiterhin arbeiten muss, sei es schwer einzuschätzen, wo er stehe und was er erreichen könne. Sein Ziel ist somit, aus der Situation «das Beste herauszuholen.» Auch Nick wird nicht viel konkreter: «Ich habe mir vorgenommen, alle Weltcuprennen zu fahren. Als Saisonergänzung bestreite ich weiterhin auch Europacup-Rennen.» Da die Konkurrenz im Weltcup qualitativ wie auch quantitativ am grössten ist, geniesst dieser bei Nick Priorität. Am Ende wird er doch konkreter: «Ich will in die Top 10 fahren.» Den Grundstein dafür kann er bereits am kommenden Wochenende am Weltcupauftakt in Südafrika legen.
Daniel Eymann
Der Interlakner Daniel Eymann von Thömu's Racing Team war in der letzten Saison auf dem Mountainbike sehr erfolgreich unterwegs. Er fuhr bei den Amateuren in der höchsten nationalen Stufe in die Top 5 – trotz eines verpassten Startes: Durch die Wintersportmöglichkeiten im Berner Oberland war er zu Saisonbeginn nach eigenen Angaben noch ein wenig abgelenkt. Danach konnte er sich jedoch in jedem Rennen unter den fünf Besten klassieren und qualifizierte sich in der Folge für die Elite. Dort erwarten ihn nun Konkurrenten von internationaler Klasse – wie beispielsweise Christoph Sauser. Aufgrund der gut verlaufenen Vorbereitung, in welcher er auch Trainings in Spanien absolvierte, «starte ich mit einem guten Gefühl in die Saison.» Diese begann für ihn mit einer gehörigen Portion Pech: Konnte er zu Beginn des Rennens noch gut mit den Topfahrern mithalten, verklemmte es ihm in der zweiten Runde unglücklich die Kette. Dieser Defekt warf ihn zurück, trotzdem konnte er das Rennen auf dem 45. Rang beenden. Umso grösser ist nun seine Motivation für das nächsten Ernstkampf in Tesserete.
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