26.08.2014

Ja, ja die lieben Orchideen!

Orchideen verzögern Streckenbau

Eigentlich hoffte die Mountainbike-Gemeinde, dass der Freeride-Trail von der Grütschalp hinunter ins Tal im Frühling 2015 eröffnet wird. Eine Einsprache von Pro Natura bringt den Zeitplan aber durcheinander. Streitpunkt sind seltene Pflanzenarten entlang der Strecke.
Im April profilierten die Verantwortlichen die geplante Freeride-Strecke für Mountainbiker. Pro Natura forderte daraufhin eine Überarbeitung des Projekts.
Im April profilierten die Verantwortlichen die geplante Freeride-Strecke für Mountainbiker. Pro Natura forderte daraufhin eine Überarbeitung des Projekts.Archivfotos: Patrick Gasser
Im April zeigte sich die Mountainbike-Gemeinde in Lauterbrunnen euphorisch. Anfang April reichte der Verein «Bikestrecke Grütschalp» bei der Gemeinde ein Baugesuch ein. Kurz darauf markierte Streckenbauer Philipp Bont die geplante Freeride-Strecke (diese Zeitung berichtete). Die Verantwortlichen gaben sich optimistisch, dass bereits ab Frühling 2015 die ersten Biker die Strecke unter die Räder nehmen können. Der Kampf für eine legale Mountainbike-Strecke, die erste ihrer Art im Mikrokosmos, schien beendet. Doch es geschah, was geschehen musste: Im Mai reichte Pro Natura eine Einsprache gegen das geplante Projekt ein. Ein Rückschlag. Das Vorhaben sei nicht zonenkonform und widerspreche der geltenden Ortsplanung, schrieb Pro Natura Berner Oberland in einer Mitteilung an die Medien. Pro Natura bemängelte auch die von den Initianten eingereichten Unterlagen. Die von den Umweltschützern geforderte Überarbeitung des Projekts sei nun erfolgt, sagt Stefan Wittwer. Der technische Leiter der Bergbahn Lauterbrunnen-Mürren (BLM) vertritt diese im Verein «Bikestrecke Grütschalp». «Wir haben den von Pro Natura geforderten Umweltbegleiter beigezogen. Auch von den Amtsstellen haben wir noch keine negative Bemerkung gehört», so Wittwer.
Fritschi: «Absolut dilettantisch angegangen»
Hans Fritschi, Vizepräsident von Pro Natura Berner Oberland, bestätigt auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Einsprache nach wie vor besteht. Eine Verhandlung anfangs Juli, bei der Einsprecher und Initianten mögliche Lösungen diskutierten, brachte vorerst keinen Erfolg. Es folgte eine Begehung des Gebietes, durch welches die Strecke führen soll. Dort sei gemäss Fritschi auch der angeforderte Umweltbegleiter dabei gewesen. «Gleich am Anfang der Strecke trafen wir auch Orchideen. Diese Pflanzen sind natürlich schützenswert», so Fritschi. Auch andere Arten, die gemäss einem Inventar als geschützt gelten, führen dazu, dass es für das Baugesuch eine Ausnahmebewilligung braucht. Diese habe beim eingereichten Baugesuch gefehlt. Hans Fritschi sieht Pro Natura «in keinem Fall als Verhinderer». Doch das Projekt sei vonseiten der Initianten «absolut dilettantisch» angegangen worden. «Es ist schade, dass nicht von Anfang an ein Umweltfachmann beigezogen wurde.» Falls die Strecke doch irgendwann gebaut wird, haben die Mountainbiker endlich eine legale Abfahrt im Mikrokosmos. Viele Biker toben sich in der Region auf Wegen aus, die eigentlich dafür nicht freigegeben sind. Immer wieder kommt es gerade in Lauterbrunnen zu Konflikten mit Wanderern. Dies obwohl die BLM das Mountainbiken auf den Wegen von der Grütschalp untersagt. Die geplante legale Strecke würde dieses Problem entschärfen. «Den Kanalisierungseffekt begrüssen wir», sagt Fritschi. Doch weder vonseiten der Gemeinde Lauterbrunnen noch von der BLM liege ein konkreter Plan vor, der eine Schliessung der illegalen Strecken vorsieht.
Initianten bleiben optimistisch
Die Initianten sind nach der Einsprache und der gemeinsamen Begehung noch einmal über die Bücher gegangen. Eine überarbeitete Version des Projekts ist anfangs August bei Regierungsstatthalter Martin Künzi eingegangen. Dieser bestätigt, dass sich die Einsprecher mit den angepassten Plänen immer noch nicht zufrieden geben. Noch nicht eingetroffen sind die Berichte der einbezogenen Fachstellen. Neben Pro Natura liege gemäss dem Regierungsstatthalter eine zweite Einsprache vor. Von wem diese stammt, wollte Künzi auf Anfrage nicht sagen. Eine Einigung ist zum Leidwesen der Mountainbiker noch nicht in Sicht. Auch wenn sich Stefan Wittwer optimistisch gibt: «Wir hoffen, dass wir die Strecke noch vor dem Wintereinbruch bauen können.» Schon jetzt haben die Orchideen eingangs des geplanten Freeride-Trails das Projekt um mehrere Monate verzögert.

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Da gibt es nichts mehr dazu zu sagen!

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